Mathe für Nicht-Freaks: Rechenregeln der bestimmten Divergenz

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Skriptfehler: Ein solches Modul „Mathe für Nicht-Freaks/Seite“ ist nicht vorhanden. Am Ende des letzten Kapitels hatten wir bereits erwähnt, dass wir die Rechenregeln für konvergente Folgen nicht einfach auf uneigentlich konvergente Folgen anwenden dürfen. Konvergiert beispielsweise eine Folge (an) (uneigentlich) gegen ∞ und eine weitere Folge (bn) (eigentlich) gegen 0, so ist es unmöglich, eine Aussage über die Konvergenz/Divergenz der Produktfolge zu machen! Mathe für Nicht-Freaks: Vorlage:Aufgabe

Rechenregeln für uneigentlich konvergente Folgen

Nun werden wir uns überlegen, inwiefern wir unter bestimmten Einschränkungen trotzdem Regeln für uneigentlich konvergente Folgen herleiten können. Wir werden sehen, dass auch hier, unter Berücksichtigung der Voraussetzungen, Summen-, Produkt-, und Quotientenregeln gelten.

Produktregel

Überlegen wir uns zunächst, inwiefern wir die Produktregel übertragen können. Wir setzen voraus, dass (an) eine Folge mit limn→∞an=∞ ist, und überlegen uns, was mit der Produktfolge (anbn) passiert. Da wir oben schon bemerkt haben, dass der Fall limn→∞bn=0 Probleme bereitet, schließen wir diesen aus.

1. Fall: limn→∞bn=∞. In dieser Fall ist es intuitiv vollkommen klar, dass auch limn→∞anbn=∞ gelten sollte. Dies müssen wir aber formal sauber beweisen. Wir müssen also zeigen: Vorlage:Einrücken Sei daher so ein S∈ℝ vorgegeben. Wegen limn→∞an=∞ gibt es dann ein N1∈ℕ mit an≥|S| für alle n≥N1. Analog gibt es wegen limn→∞bn=∞ ein N2∈ℕ mit bn≥|S| für alle n≥N2. Für alle n≥N=max⁡{N1,N2} gilt somit Vorlage:Einrücken Also gilt limn→∞anbn=∞.

2. Fall: limn→∞bn=−∞. Auch in diesem Fall ist intuitiv klar, dass auch limn→∞anbn=−∞ gelten sollte. Wir müssen also zeigen: Vorlage:Einrücken Sei daher S∈ℝ vorgegeben. Wegen limn→∞an=∞ gibt es ein N1∈ℕ mit an≥|S| für alle n≥N1. Analog gibt es wegen limn→∞bn=−∞ ein N2∈ℕ mit bn≤−|S| für alle n≥N2. Für alle n≥N=max⁡{N1,N2} gilt somit Vorlage:Einrücken Also gilt limn→∞anbn=−∞.

3. Fall: limn→∞bn=b>0. In diesem Fall sollte wie im 1.Fall limn→∞anbn=∞ gelten. Wir müssen also wieder zeigen: Vorlage:Einrücken Sei daher S∈ℝ vorgegeben. Wegen limn→∞bn=b gibt es zu jedem ϵ>0 ein N1∈ℕ mit |bn−b|<ϵ für alle n≥N1. Setzen wir ϵ=b2, so gilt daher ∀n≥N1: |bn−b|<b2, also insbesondere bn>b2>0. Wegen limn→∞an=∞ gibt es ein N2∈ℕ mit an≥|S|b2=2|S|b≥0 für alle n≥N1. Für alle n≥N=max⁡{N1,N2} gilt somit Vorlage:Einrücken Also ist limn→∞anbn=∞.

4. Fall: limn→∞bn=b<0. Hier gilt limn→∞anbn=−∞. Mathe für Nicht-Freaks: Vorlage:Aufgabe

Die vier Fälle lassen sich auch kompakt zusammenfassen. Dazu führen wir folgende praktische Erweiterung der reellen Zahlen ein: Wir erweitern ℝ durch ±∞ und erhalten so die Menge ℝ‾=ℝ∪{±∞}. Mathe für Nicht-Freaks: Vorlage:Satz

Summenregel

Sei erneut (an) eine Folge mit limn→∞an=∞. Die Frage ist nun, wie es sich mit dem Grenzwert der Summenfolge (an+bn) verhält. Uns wir schnell klar, dass hier der kritische Fall limn→∞bn=−∞ ist. In diesem Fall ist es unmöglich, eine allgemeine Aussage über das Konvergenzverhalten von (an+bn) zu machen. Für an=n und bn=−n gilt beispielsweise limn→∞an+bn=limn→∞0=0, für an=2n und bn=−n gilt limn→∞an+bn=limn→∞n=∞. Wir schließen daher den Fall limn→∞bn=−∞ aus, und betrachten nur die übrigen relevanten Fälle:

1. Fall: limn→∞bn=∞. Hier ist klar, dass limn→∞an+bn=∞ gelten muss. Wir müssen zeigen: Vorlage:Einrücken Sei S∈ℝ vorgegeben. Wegen limn→∞an=∞ gibt es dann ein N1∈ℕ mit an≥S2 für alle n≥N1. Analog gibt es wegen limn→∞bn=∞ ein N2∈ℕ mit bn≥S2 für alle n≥N2. Für alle n≥N=max⁡{N1,N2} gilt somit Vorlage:Einrücken Also ist limn→∞an+bn=∞.

2. Fall: limn→∞bn=b∈ℝ. Hier gilt ebenfalls limn→∞an+bn=∞. Auch hier müssen wir zeigen:


Vorlage:Einrücken

Sei S∈ℝ vorgegeben. Wegen limn→∞bn=b gibt es dann zu jedem ϵ>0 ein N2∈ℕ mit |bn−b|<ϵ für alle n≥N2. Insbesondere auch für ϵ=1. Also gilt bn>b−1 für alle n≥N2. Wegen limn→∞an=∞ gibt es außerdem ein N1∈ℕ mit an≥S−b+1 für alle n≥N1. Für alle n≥N=max⁡{N1,N2} gilt somit

Vorlage:Einrücken

Also ist limn→∞an+bn=∞.

Die beiden Fälle fassen wir wieder zusammen:

Mathe für Nicht-Freaks: Vorlage:Satz

Inversionsregeln

Auch die nächste Regel ist intuitiv vollkommen logisch. Ist (an) eine Folge mit an≠0 für alle n∈ℕ und limn→∞an=∞ oder limn→∞an=−∞, so muss (1an) eine Nullfolge sein.

1.Fall: limn→∞an=∞. Wir müssen zeigen Vorlage:Einrücken Sei ϵ>0 vorgegeben. Wegen limn→∞an=∞ gibt es zu S=1ϵ+1 ein N∈ℕ, so dass ∀n≥N gilt an≥1ϵ+1. Damit gilt ∀n≥N auch Vorlage:Einrücken Somit ist limn→∞an=0.

2.Fall: limn→∞an=−∞. Mathe für Nicht-Freaks: Vorlage:Aufgabe

Wir halten das Ergebnis noch einmal fest: Mathe für Nicht-Freaks: Vorlage:Satz

Mathe für Nicht-Freaks: Vorlage:Frage

Die Frage ist nun, wie wir die Voraussetzungen einschränken müssen, damit auch die Rückrichtung der Inversionsregel gilt. Bei dem Gegenbeispiel war das Problem, dass die Folge ((−1)nn) alternierend war. Daher gibt es unendlich viele Folgenglieder, die positiv sind, und unendlich viele Folgenglieder, die negativ sind. Fordern wir als zusätzliche Voraussetzung an (an), dass entweder nur endlich viele Folgenglieder negativ, oder nur endlich viele Folgenglieder positiv sind, so tritt das Problem nicht mehr auf.

1.Fall: Sei zunächst (an) eine Folge mit limn→∞1an=0, alle Folgenglieder seien ≠0 und und fast alle Folgenglieder seien positiv. Dann ist es intuitiv klar, dass limn→∞an=∞ gilt. Zum Beweis müssen wir zeigen: Vorlage:Einrücken Sei S∈ℝ gegeben. Da (1an) eine Nullfolge ist, gibt es zu ϵ=1|S|>0 ein N~∈ℕ mit |1an|<1|S| für alle n≥N~. Da fast alle Folgenglieder von (an) positiv sind, gibt es ein N≥N~ mit |1an|=1an<1|S| für alle n≥N. Damit gilt nun an≥|S|≥S für alle n≥N. Also ist limn→∞an=∞.

2.Fall: Sei nun (an) eine Folge mit limn→∞1an=0, alle Folgenglieder seien ≠0 und fast alle Folgenglieder seien negativ. Mathe für Nicht-Freaks: Vorlage:Aufgabe

Wir halten die beiden Fälle für die Rückrichtung der Inversionsregel noch einmal fest Mathe für Nicht-Freaks: Vorlage:Satz

Mathe für Nicht-Freaks: Vorlage:Beispiel

Quotientenregel

Als nächstes wenden wir uns Quotientenfolgen mit uneigentlichen Grenzwerten zu. Seien also (an) und (bn) Folgen mit bn≠0 für alle n∈ℕ und (anbn) die daraus gebildete Quotientenfolge.

Zunächst setzen wir limn→∞bn=∞ voraus. Klar ist, dass wir die Fälle limn→∞an=±∞ ausschließen müssen, denn hier können wir keine allgemeine Aussage über das Konvergenz-/Divergenzverhalten der Quotientenfolge machen. Sei daher limn→∞an=a∈ℝ. Dann gilt limn→∞anbn=0. Wir müssen dazu zeigen Vorlage:Einrücken Sei ϵ>0 vorgegeben. Wegen limn→∞an=a ist (an) beschränkt, d.h. es gibt ein K>0 mit |an|≤K für alle n∈ℕ. Weiter gilt, wegen limn→∞bn=∞, nach der Inversionsregel limn→∞1bn=0. Also gibt es ein N∈ℕ mit |1bn|<ϵK für alle n≥N. Damit gilt ∀n≥N: Vorlage:Einrücken Somit ist limn→∞anbn=0.

Völlig analog gilt im Fall limn→∞bn=−∞ und limn→∞an=a∈ℝ ebenfalls limn→∞anbn=0.

Zusammen ergibt sich Mathe für Nicht-Freaks: Vorlage:Satz

Nun setzen wir für die Zählerfolge fest: limn→∞an=∞. Wieder müssen wir die Fälle limn→∞bn=±∞ ausschließen.

1.Fall: limn→∞bn=b>0. Hier gilt limn→∞anbn=∞. Zum Beweis haben wir zu zeigen: Vorlage:Einrücken Sei S∈ℝ gegeben. Da (bn) gegen b>0 konvergiert, gibt es ein N1∈ℕ, so dass bn≤32b für alle n≥N1. Wegen limn→∞an=∞ gibt es ein N2∈ℕ mit an≥32b|S| für alle n≥N2. Damit gilt für alle n≥N=max⁡{N1,N2}: Vorlage:Einrücken Also ist limn→∞anbn=∞.

2.Fall: limn→∞bn=0 und fast alle bn seien positiv. Hier gilt ebenfalls limn→∞anbn=∞. Zum Beweis müssen wir erneut zeigen: Vorlage:Einrücken Sei S∈ℝ gegeben. Da (bn) gegen 0 konvergiert und fast alle Folgenglieder positiv sind, gibt es ein N1∈ℕ mit bn≤12 für alle n≥N1. Wegen limn→∞an=∞ gibt es ein N2∈ℕ mit an≥12|S| für alle n≥N2. Damit gilt für alle n≥N=max⁡{N1,N2}: Vorlage:Einrücken Also ist limn→∞anbn=∞.

Mathe für Nicht-Freaks: Vorlage:Aufgabe

Zusammengefasst lautet die zweite Version der Quotientenregel Mathe für Nicht-Freaks: Vorlage:Satz

Minorantenkriterium für Folgen

Intuitiv ist dieses Kriterium vollkommen klar. Haben wir eine Folge (xn) gegeben und wissen wir von einer weiteren Folge (yn), dass diese "kleiner oder gleich" (xn) ist für fast alle n∈ℕ und uneigentlich gegen ∞ konvergiert, so muss auch (xn) uneigentlich gegen ∞ konvergieren. Beweisen können wir dies folgendermaßen: Wir müssen zeigen Vorlage:Einrücken Sei also S∈ℝ gegeben. Wegen limn→∞yn=∞ gibt es ein N~∈ℕ mit yn≥S für alle n≥N~. Wegen xn≥yn für fast alle n∈ℕ existiert ein N≥N~ mit xn≥yn≥S für alle n≥N. Also gilt limn→∞xn=∞.

Halten wir noch einmal fest: Mathe für Nicht-Freaks: Vorlage:Satz

Mathe für Nicht-Freaks: Vorlage:Beispiel

Skriptfehler: Ein solches Modul „Mathe für Nicht-Freaks/Seite“ ist nicht vorhanden.